Eine typische Gesamtschul-Laufbahn
Sonja ist Schülerin in einer Klasse der Jahrgangsstufe 6. Der Übergang von der Grundschule zur Gesamtschule, so erinnert sie sich, war nicht ganz einfach. Doch Sonja fand einige Freundinnen aus der ehemaligen Grundschulklasse in ihrer neuen Lerngruppe wieder und die neuen Lehrerinnen und Lehrer waren bemüht, an Unterrichtsformen der Grundschule anzuknüpfen. Das erleichterte den Start. Außerdem hat die Klasse in fast allen Fächern gemeinsam Unterricht. Und das wird auch bis zum Ende der Klasse 6 so bleiben.
Dann aber wird sich einiges ändern. Schon zum Ende dieses Schuljahres muss sich Sonja ein weiteres Hauptfach aus dem Wahlpflichtbereich I dazuwählen. Sie hat die Wahl zwischen "Naturwissenschaften", "Arbeitslehre" und einer zweiten Fremdsprache. Weil ihre Eltern und sie meinen, dass sie nach Möglichkeit in die Oberstufe übergehen sollte, wird sie sich wohl für Französisch oder Latein entscheiden; denn eine zweite Fremdsprache braucht man für die gymnasiale Oberstufe. Außerdem fällt ihr das Erlernen von Sprachen leicht und deshalb wird sie auch im Fach Englisch in einem Erweiterungskurs (E-Kurs) weiterlernen können. Englisch und Mathematik werden ab Klasse 7 nämlich in Erweiterungs- und Grundkursen unterrichtet, ab Klasse 9 auch die Fächer Deutsch und Physik.
Am Ende der Klasse 8 wird ein weiteres Nebenfach aus dem Wahlpflichtbereich II hinzu kommen. Sonja wird aus einem Angebot von 7 oder 8 Kursen auswählen können: Französisch, Naturwissenschaften, Berufsorientierung, Sport, Förderkurs, Erzieherisches und soziales Handeln, Informatik, EDV oder Mode-Design.
Ihre Freundin Ulla wird da keine Wahl haben. Weil sich bei Ulla erst spät zeigen wird, dass auch sie den Eintritt in die Oberstufe schaffen kann, wird sie wohl die zweite Fremdsprache Französisch dazuwählen müssen. Die Belegung einer zweiten Fremdsprache ist auch noch in Jahrgang 11 möglich (Spanisch), allerdings mit einiger Belastung für den Oberstufenstart.
Am Ende der Klasse 9 wird Sonja dann zum ersten Mal ein Zeugnis bekommen, mit dem der erreichte Hauptschulabschluss bescheinigt wird. Der ist nämlich Voraussetzung für den Übergang in Klasse 10. Vorher aber werden sich Sonja und Ulla auf das dreiwöchige Betriebspraktikum freuen, in dem sie endlich mal ein Stück Arbeitswelt erleben können und dabei hautnah erfahren, was es heißt, berufstätig zu sein.
In Klasse 10 ist für Sonja dann die erste große Hürde in Sicht. Wird sie den Qualifikationsvermerk zur Fach- Oberschulreife erhalten, um in die Oberstufe eintreten zu können? Sie müsste dazu nicht einmal die Schule wechseln, denn an "ihrer" Gesamtschule gehört eine gymnasiale Oberstufe dazu. Für Ulla wird es leider nicht reichen. Sie hätte mit drei Erweiterungskursen in Deutsch, Mathematik und Physik zwar die geforderte Anzahl, aber die Noten entsprechen nicht den Anforderungen. Ulla hatte sich aber im Betriebspraktikum schon einen Beruf ausgesucht, der ihr zusagt. Sie wird die Schule am Ende der Klasse 10 mit der Fachoberschulreife verlassen.
Sonja dagegen wird sich vor dem Ende der Klasse 10 bei dem zukünftigen Beratungslehrer der Jahrgangsstufe 11 genauer über das Fächerangebot und die Bestimmungen der Oberstufe informieren. Dann wird sie ihre Fächer für die Jahrgangsstufe 11 wählen. Sie wird sich mindestens 10 Kurse aus drei verschiedenen Aufgabenfeldern auswählen müssen. Da die Stufe 11 als "Einführungsphase" gilt, werden hier alle Fächer noch als dreistündige Grundkurse unterrichtet. (Lediglich eine neu einsetzende Fremdsprache wird vierstündig unterrichtet.) Die Noten aus diesem Jahrgang gehen auch nicht in die Abitur-Durchschnittsnote ein.
Das ändert sich dann in der Stufe 12 — hier beginnt nämlich die "Qualifikationsphase". Jetzt muss Sonja aus ihren Fächern ihre beiden fünfstündigen Leistungskurse wählen, die später gleichzeitig ihre ersten beiden (schriftlichen) Abiturfächer sein werden. Die Noten aus diesen Fächern sowie die Noten aus ihren sechs Grundkursen sind am Ende der Stufe 13 die Grundlage zur Berechnung der Abitur-Durchschnittsnote.
Zu Beginn der 13. Jahrgangsstufe steht für Sonja dann noch eine Entscheidung an, denn nun muss sie aus ihren Fächern zwei weitere Abiturfächer auswählen: ein schriftliches und ein mündliches. In diesen beiden Grundkursen und in ihren Leistungskursen wird sie dann am Ende ihrer Laufbahn in der gymnasialen Oberstufe unserer Gesamtschule ihr Abitur machen.